Die Doubledylans

BLUESBRÜDER

Eine Band, die es inzwischen auf Songs über fünfzehn Minuten bringt. Das klingt schon fast nach alten Progrock-Sinfonien à la King Crimson oder Iron Butterfly’s In-A-Gadda-Da-Vida. Nein, es ist nichts weniger als das. Den Devilish DoubleDylans gelingt immer mehr das Kunststück, die Zeit in ihren Songs zum Stehen zu bringen. Man verliert sich in den mäandernden Strukturen der Texte und ist doch immer auf der Höhe der gegenwärtigen Textzeile. Auch musikalisch: nirgends Kleinteiligkeit, keine Wut des dauernden musikalischen Wechsels, vielmehr ein bluesiges Sackenlassen wie in einen alten Ledersessel, und man sitzt da, und Uli Klapdor, Robert Noetzel und Matthias Schmidt beginnen, diesmal erweitert um Matthias Baumgardt und Krishna Meindl, ihre Lieder zu spielen, als hätten die Worte selbst das berühmte Glas Whisky in der Hand. Worum es bei den Devilish DoubleDylans in den einzelnen Songs geht, ist glücklicherweise nie so richtig zu sagen. Sie sind auch keine Frankfurter „Heim“-Band, obgleich ihre Texte oft in der Frankfurter Gegend angesiedelt sind, sei es im Taunus, wo das Rotkehlchen singt, sei es in Fechenheim im Kebabgrill, wo man ein Bier trinkt, oder am Main, zu dem man hingeht, wenn gar nichts mehr geht und man einfach seine Ruhe haben will. Nein, die Devilish Double Dylans sind natürlich auch ihrem Namensgeber Bob Dylan verpflichtet, und ihm gemäß schwingen sich ihre Texte jederzeit über die lokale Materie ins Universale hinaus. Aber sie verlieren zugleich auch nie das Kolorit eines gewachsenen, in sich geschlossenen, mit Frankfurt verbundenen Erzählkosmos. Klar, es könnte auch Köln sein, es könnte auch Wien sein oder London. Das ist ja immer der doppelte Boden der Kunst: universal und lokal zugleich. Was wäre der Ulysses von James Joyce ohne Dublin. Was wären die Devilish DoubleDylans ohne Frankfurt? Und was wäre Frankfurt ohne die DoubleDylans? Musikalisch setzen sie der Stadt ein Denkmal, wie es bislang noch keins gegeben hat. Frankfurt, das war bislang die „Trilogie des laufenden Schwachsinns“ von Henscheid, das sind die Romane Martin Mosebachs, und (ja, willkommen in der Hochkultur!) das wird auch immer mehr die Stadt der DoubleDylans. Auch im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst haben sie schon gespielt. Frankfurt + Dylan = Devilish DoubleDylans. Eine Band, die einer Stadt ihr Gesicht gibt. Und die richtigen Worte dafür.
Andreas Maier

Hörbeispiel

FM 110911

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